Eisenbahn – Privatisierungen in anderen Ländern

Den Schritt der vollständigen Privatisierung haben Staaten wie Großbritannien, Neuseeland und Japan schon hinter sich gebracht. Diese möchte ich einmal als Beispiele anführen und näher betrachten.

In Neuseeland wurde 1993 die Bahn für ca. 332 Mio Neuseeland-Dollar an Investoren verkauft. Diese realisierten sehr hohe Gewinne, indem sie die Infrastruktur verkommen liesen. 2003 wurde dann ein neuer Investor gefunden, der die maroden Schienen übernehmen sollte.
Auch hat das große private Unternehmen die Übergabe von Transportkapazität von der Schiene zur Straße betrieben. Es wurden also vermehrt Güter auf der Straße befördert, anstelle mittels der eigentlich dafür gedachten Schiene.
Als 2008 der Zustand nicht besser wurde, wurde die neuseeländische Bahn für ca. 665 Mio Neuseeland-Dollar wieder zurück gekauft und war wieder vollständig verstaatlicht.
Auf den Neuseeländischen Strecken werden aktuell hauptsächlich Güter für den Export transportiert.
Personentransporte auf Überlandstrecken finden ebenfalls statt, aber viele Strecken wurden anfang des Jahrtausends still gelegt, bzw. nicht mehr bedient. Auch bei noch laufenden Strecken gibt es Probleme, da vieles vom Rollmaterial meist aus den 40er Jahren stammt und nur immer wieder grundüberholt worden ist.
Selbstverständlich gibt es auch Vorort-Personentransporte, welche teils staatlich, teils privat betrieben werden.

In Großbritannien sind die Strecken derzeit in Hand einer staatlichen Gesellschaft. Lediglich der Transport von Personen und Gütern ist hier privatisiert betrieben.
Dies war nicht immer so.
Ab 1996 war auch das Schienennetz privatisiert gewesen. Jedoch mit dem Unfall von Hatfield im Jahr 2000 wurde klar, dass das Netz stark vernachlässigt wurde. Spätestens als das privatisierte Unternehmen, welches das Netzwerk instand halten sollte, im Jahr 2002 bankrott ging, war jedoch klar das dies nicht funktioniert hatte. Statt dessen wurde das Netzwerk an ein nicht gewinnorientiertes Unternehmen gegeben, welches das Streckennetz bis heute besitzt.
Dennoch kam es auf den Strecken immer wieder zu Verspätungen. 2005 wurde errechnet das die Summe der Verspätungen seit der Privatisierung sich auf ca. 11.000 Jahre belief. Dies geschah, obwohl viele Zugverbindungen soweit gestreckt worden sind, das die Reisezeit auf einzelnen Verbindungen teilweise länger dauerten als noch 1898.
Als Folge der Probleme sanken die Fahrgastzahlen wieder und die großen Eisenbahngesellschaften riefen nach Zuschüssen vom Staat, da ihnen ein Bankrott drohte, trotz teilweise Renditen von über 20% in den Vorjahren.

In Japan wurde die staatliche Eisenbahn ebenfalls 1987 privatisiert. Das vormals Japan National Railways benannte Staatsunternehmen wurde zu diesem Zeitpunkt in Japan Railways umbenannt.
Die Privatisierung hatte allerdings nicht nur Auswirkungen auf den Namen, sondern auch auf die Struktur innerhalb des Unternehmens.
So wurde die frühere JNR in 9 Untergesellschaften geteilt. 6 von diesen befassen sich mit Personenbeförderung, Infrastruktur, sowie den Betrieb und Wartung derer. Jede dieser Gesellschaften besitzt ein Teilstück des vormaligen Landesschienennetzes.
Eine weitere Gesellschaft befasst sich damit die Fracht durch das Land zu transportieren. Da diese jedoch nur im begrenzten Masse Betriebsgüter besitzt greift diese Gesellschaft kostenpflichtig auf die Netze der anderen Gesellschaften zurück.
Das Hochgeschwindigkeitsnetz befindet sich derzeit auch in der Hand von 4 Teilgesellschaften, obwohl es anfangs noch bei einer Holding gelegen hat. Bei der Übernahme durch die Teilgesellschaften wurde darauf geachtet das die Bediensteten in die neuen Besitzer eingegliedert worden sind.
Weiterhin gibt es noch eine Gesellschaft, die sich mit der Erforschung für die Bahntechnologie aller Teilgesellschaften beschäftigt. Auch die IT-Infrastruktur wird für alle Teilgesellschaften gemeinsam von einer einzigen anderen Gesellschaft gewährleistet.

Als wichtigster Grund der zur Privatisierung der Schienenwege geführt hat sind die Auswirkungen des zweiten Weltkrieges genannt. Hierbei lit der Schienenverkehr unter der rasch wachsenden Wirtschaft und der Zunahme des motorisierten Straßenverkehrs. Weiterhin war die JNR damit gebunden 250.000 Kriegsheimkehrer einzustellen.

Vorteilig erweist sich jedoch die topographische Lage Japans für die Eisenbahn. Da Japan viele Flächen hat, welche nicht so einfach besiedelt werden können, sind die Siedlungen und damit auch das Streckennetz linienförmig angebracht. Auch befördert Japan pro Streckenkilometer etwa 41.000 Fahrgäste mehr als z.B. die deutschen Bahngesellschaften.
Dies sind selbstverständlich starke Vorrausetzungen für einen erfolgreichen Betrieb. Auch kann man den die dort hohe Autobahnmaut und eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 100km/h für motorisierten Fernverkehr in diese Faktoren mit einschließen.

Quellen:
de.wikipedia.org
zeit.de
bahn-fuer-alle.de