#GedankenZurNacht

Wollen wir was wir tun, oder tun wir was wir wollen?

Ich möchte einmal die Aufgabe stellen, das wir überdenken, was wir tun.
Wir sollten für uns persönlich herausfinden, ob das was wir tun, auch das ist was wir in Wirklichkeit wollen. Oder ist es vielmehr etwas, was wir glauben tun zu müssen, da wir es wollen sollten?

Wenn wir über die Straße gehen und dabei lächeln, obwohl es uns innerlich ganz mies geht; ist es das was wir wollen, oder wird es von uns erwartet das wir das so tun?
Wollen wir vor der Welt geheim halten, wie es in uns aussieht, nur damit wir uns anschließend beklagen können, das uns keiner hilft? Kann man uns denn überhaupt proaktiv helfen, wenn wir nicht zeigen, das wir Hilfe benötigen?

Wäre es nicht viel angenehmer, wenn wir unsere aktuelle Gefühlslage unserer Umwelt mitteilen können um dort auf Hilfsangebote zu trefen, da diese unsere Hilfsbedürftigkeit erkennt?
Ist es nicht viel einfacherer, wenn wir uns nicht erst kompliziert in jemanden hinein denken müssen um die wirkliche Gefühlswelt der Person zu erkennen, obwohl er uns gerade gesagt hat, das es ihm super geht?

Ich glaube es wäre zumindest viel ehrlicher. Nicht nur anderen gegenüber, sondern auch uns selbst. Wir müssen uns selbst schließlich ein Stück weit belügen, damit wir wieder lächeln können. Wir müssen unsere Welt ein wenig schönreden, den Grund des Schmerzes klein reden, damit uns ein Lächeln auf das Gesicht huscht, was die anderen Menschen vielleicht davon überzeugt das es uns gut geht, obwohl wir innerlich jederzeit losheulen könnten.

Es wäre nicht nur ehrlicher, sondern auch weniger kraftraubend. Wir benötigen Energie um den Zerrspiegel aufrecht zu erhalten, welcher uns unsere Welt anders darstellt, als wir sie fühlen.
Diese Kraft könnten wir dann darin einsetzen den Umstand, weshalb es uns schlecht geht zu beseitigen und nach einer gewissen Zeit geht es uns dann auch wirklich besser.

4 Comments on “#GedankenZurNacht”

  1. Was ich heute nacht überlegt habe war: „Gibt es tatsächlich falsche Entscheidungen?“ und jetzt nicht im Zuge dieser leidigen „Freier Wille“-Debatte sondern weil ich folgendes überlege: Wenn ich mich zu einem Vorgehen entschließe ist das in dem Moment die einzig richtige Wahl für mich (sonst würde ich sie ja nicht treffen und ich glaube das gilt sogar wenn ich sie nur per Münzwurf getroffen hab). Und selbst wenn ich hinterher erkenne, dass ich sie im Nachhinein anders bewerte und nun anderes treffen würde, war sie dann nicht notwendig um zu dieser Erkenntnis zu kommen? Und war sie somit dann nicht doch wieder wichtig für diesen Erkenntnisprozess und damit gut?

    1. Auf jeden Fall gibt es Entscheidungen. Ob sie nun richtig oder falsch sind, das liegt immer im Auge des Betrachters.
      Ich kann mich dazu etwas zu tun und dann Jahre später darüber nachdenken und feststellen das es „die richtige Entscheidung“ war. Genauso kann es aber auch umgekehrt sein.
      Richtig und Falsch sind immer eine Bewertung von Entscheidungen (und anderen Dingen/usw.)
      Klar kann man sagen das es eine falsche Entscheidung war von der Brücke zu springen ohne Bungeeseil. Aber vielleicht wäre das auch die richtige Entscheidung für die Person gewesen? Richtig ist auf jeden Fall, das es eine Entscheidung war.

      Ich denke das bei all den Entscheidungen wichtig ist, das wir uns dabei wohl fühlen und uns nicht gegen unser Selbst arbeiten. D.h. wenn wir schon Magenschmerzen bekommen, wenn wir nur daran denken Option A zu wählen, ist Option B wahrscheinlich die „richtige“ Option. (Und wenn wir da auch noch Magenschmerzen bekommen, sollten wir eine Option C suchen.)

      Es gibt sicher die Möglichkeit das wir uns im Nachhinein auch bei gut anfühlenden Entscheidungen nochmal überdenken das wir diese anders hätten treffen können. Das kann möglich sein, das wir unser Weltbild verändert haben und nun neue Optionen haben, oder weil wir mit der gewählten Option doch unzufrieden sind aus irgendeinem Grund. In dem Moment jedoch, hat es sich richtig angefühlt und ich gehe davon aus das die Entscheidung zu dem Zeitpunkt zumindest für uns „richtig“ ist, da unser Wesen zu dem Zeitpunkt diese Option gewünscht hat.

  2. Mir fallen jetzt ein paar Gründe in, warum wir sowas gerne machen:
    1) Wir wollen anderen unsere Hilfsbedürftigkeit nicht aufdrücken, um sie nicht zu „zwingen“ uns zu helfen.
    2) Wir wollen uns nicht von allen Personen helfen lassen.
    3) Wir unterliegen der (Fehl-)annahme unsere Probleme wären einmalig und uns würde daher eh niemand verstehen.
    4) Wir wollen, dass unsere Freunde von sich aus merken, das es uns schlecht geht, weil wir annehmen, diese Sensibilität würde sie zu besseren Tröstern/Ratgebern machen.
    5) Wir wissen, dass andere Menschen auch Probleme haben (vielleicht auch größere) und haben das Gefühl unsere können damit nicht konkurrieren.
    6) Wir vergessen, dass andere Menschen auch Probleme haben und wollen uns deshalb keine Blöße geben, vor all diesen glücklichen Menschlein.

    vermutlich könnte man ewig so weitermachen.

    1. Natürlich gibt es vielerlei Gründe, warum man jemanden nicht um Hilfe bittet. Es kann eine schiere, unendliche Liste sein. Auf die einzelnen Gründe möchte ich deswegen auch nicht eingehen.

      Was ich jedoch frage ist, ob es nicht einfach wäre, wenn wir unserer Umwelt zeigen könnten, das wir hilfsbedürftig sind und unsere Umwelt sich dann entscheidet, ob sie uns nicht helfen will.
      Unsere Umwelt weiss ja, ob sie Probleme hat und ob sie die Möglichkeit hat uns zu helfen. Das kann sie aber nur, sofern sie mitbekommen hat, das wir hilfsbedürftig sind.

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